﻿{"id":4036,"date":"2020-12-30T13:00:34","date_gmt":"2020-12-30T12:00:34","guid":{"rendered":"https:\/\/ambberlino.esteri.it\/news\/dall_ambasciata\/2020\/12\/articolo-congiunto-a-firma-di-luigi-2\/"},"modified":"2020-12-30T13:00:34","modified_gmt":"2020-12-30T12:00:34","slug":"articolo-congiunto-a-firma-di-luigi-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ambberlino.esteri.it\/de\/news\/dall_ambasciata\/2020\/12\/articolo-congiunto-a-firma-di-luigi-2\/","title":{"rendered":"Namensartikel des deutschen Botschafters in Rom, Viktor Elbling und des italienischen Botschafters in Berlin, Luigi Mattiolo: &#8222;Gelebte gemeinsame Werte im Geiste Adenauers und De Gasperis&#8220; (Die Welt, 20.12.2020)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der deutsche Botschafter Viktor Elbling und sein italienischer Kollege Luigi Mattiolo schreiben aus Anlass von 70 Jahren diplomatischer Beziehungen \u00fcber das enge Verh\u00e4ltnis von Deutschland und Italien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Einheit Europas war ein Traum von wenigen. Sie wurde die Hoffnung f\u00fcr viele. Sie ist heute Notwendigkeit f\u00fcr alle\u201c. Konrad Adenauers Vision eines geeinten Europa verband ihn mit einem anderen gro\u00dfen Staatsmann, Alcide de Gasperi. Beide trieben zusammen mit Robert Schumann mit Leidenschaft und politischer Weitsicht die Gr\u00fcndung der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft voran. Adenauers erste offizielle Auslandsreise als Kanzler f\u00fchrte ihn im Juni 1951 nach Rom &#8211; beileibe keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit nach den dramatischen Folgen des Kriegs und den nationalsozialistischen Gr\u00e4ueltaten w\u00e4hrend der Besatzung 1943-45.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute, 70 Jahre nach der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen, verbinden uns gelebte gemeinsame Werte und Interessen auf allen Ebenen. Wir sind EU-Gr\u00fcndungsmitglieder, im G7- und G20-Rahmen setzen wir uns f\u00fcr multilaterale L\u00f6sungen globaler Herausforderungen ein, als Partner in der NATO stehen wir f\u00fcr eine enge transatlantische Bindung sowie f\u00fcr kollektive Sicherheit ein, in vielen Friedenseins\u00e4tzen weltweit &#8211; von Afghanistan bis zum Libanon &#8211; leisten wir einen gemeinsamen Beitrag f\u00fcr Konfliktpr\u00e4vention und Stabilisierung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">130 Milliarden Euro Handelsvolumen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Beziehung ist eine Erfolgsgeschichte: Italien und Deutschland sind mit einem Handelsvolumen von \u00fcber 130 Mrd. Euro j\u00e4hrlich wirtschaftlich engstens miteinander verflochten. Die Integration der Unternehmen geht so weit, dass w\u00e4hrend des nationalen Lockdown im Fr\u00fchjahr in Italien die deutsche Automobilindustrie ihre Fertigung zeitweise einstellen musste, weil die ben\u00f6tigten Komponenten von der italienischen Industrie nicht geliefert werden konnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nirgendwo sonst auf der Welt unterh\u00e4lt Deutschland so viele Kultureinrichtungen wie in Italien, dies teilweise seit fast 200 Jahren. Gesellschaftlich verbindet uns Einzigartiges: Im Laufe der Jahrzehnte kamen \u00fcber vier Millionen Menschen als sogenannte \u201eGastarbeiter\u201c aus Italien nach Deutschland und trugen entscheidend zum Wiederaufbau und einer neuen Kultur des Zusammenlebens in Deutschland bei. Es gibt \u00fcber 400 deutsch-italienische St\u00e4dtepartnerschaften, \u00fcber 800.000 italienische Mitb\u00fcrgerinnen und \u2013b\u00fcrger pr\u00e4gen das Lebensgef\u00fchl in Deutschland mit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie eng wir miteinander verbunden sind, hat sich zuletzt ganz konkret w\u00e4hrend der Pandemie gezeigt. In ihrem Verlauf wuchs in allen Mitgliedstaaten das Bewusstsein, dass man dieser epochalen Herausforderung auf europ\u00e4ischer Ebene im Geiste der Einigkeit und Solidarit\u00e4t entgegentreten muss. Es gab konkrete Zeichen der Unterst\u00fctzung f\u00fcr die am st\u00e4rksten betroffenen Regionen, wie im Falle der 44 Patienten aus der Lombardei, die in deutschen Kliniken behandelt wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kraftvolle und solidarische Antwort auf die Folgen der Pandemie<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In wenigen Tagen endet die deutsche EU-Ratspr\u00e4sidentschaft. Italien und Deutschland haben w\u00e4hrend dieses au\u00dfergew\u00f6hnlichen deutschen Semesters besonders eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet. Insbesondere die historische Entscheidung f\u00fcr Next Generation EU mit einem Volumen von 750 Mrd. Euro ist eine gemeinsame kraftvolle und solidarische Antwort aller EU-27 auf die Folgen der Pandemie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch au\u00dfenpolitisch wollen wir gemeinsam die EU handlungsf\u00e4higer machen. Tektonische Machtverschiebungen und zunehmende Gro\u00dfm\u00e4chte-Rivalit\u00e4ten zeigen: Wir werden in dieser Welt nur bestehen, wenn wir als Europ\u00e4er zusammenhalten. Deshalb setzen wir uns gemeinsam f\u00fcr eine strategische europ\u00e4ische Souver\u00e4nit\u00e4t ein, von einer wirklich gemeinsamen Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik bis hin zu digitaler Souver\u00e4nit\u00e4t, damit die Europ\u00e4ische Union wirkungsvoll zur Gestaltung einer regelbasierten multilateralen Ordnung beitragen und unsere gemeinsamen europ\u00e4ischen Werte zur Geltung bringen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Beispiel f\u00fcr europ\u00e4isches Engagement als \u201egame changer\u201c im Zusammenspiel mit internationalen Partnern ist der Berliner Prozess zu Libyen, den wir gemeinsam initiiert haben und der heute, ein Jahr nach der Berliner Konferenz, greifbare Fr\u00fcchte tr\u00e4gt: Die Konfliktparteien haben sich auf einen Waffenstillstand verst\u00e4ndigt, der h\u00e4lt, es gibt einen Termin f\u00fcr Wahlen, die \u00d6lblockade ist aufgel\u00f6st. Libyen ist ein zentrales Beispiel f\u00fcr ein immer wichtiger werdendes europ\u00e4isches Engagement in unserer s\u00fcdlichen Nachbarschaft und dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Positive Dynamik nutzen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir befinden uns inmitten einer neuen Phase europ\u00e4ischer Integration mit gegenseitiger Solidarit\u00e4t und Verantwortung. Mit der Einigung auf Next Generation EU und einen mehrj\u00e4hrigen Finanzrahmen von insgesamt 1,8 Billionen Euro haben wir gezeigt, dass Europa in der Lage ist, kraftvoll auf einzigartige Herausforderungen zu reagieren und gleichzeitig weitere Integrationsschritte zu vollziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gilt nun, diese positive Dynamik zu nutzen und uns als EU f\u00fcr das kommende Jahrzehnt aufzustellen. Unsere Gesellschaften werden enorme Anpassungsprozesse durchlaufen. Mit der Ausrichtung auf zukunftsorientierte Aufgabenbereiche wie Klimaschutz und Digitalisierung haben wir die gro\u00dfe Chance, unsere L\u00e4nder zukunftsfest zu machen, beispielsweise durch gemeinsame innovative Projekte wie die europ\u00e4ische Cloud-Infrastruktur Gaia X oder die verst\u00e4rkte Kooperation bei neuen Formen der Energiegewinnung wie gr\u00fcnem Wasserstoff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir das Migrationsph\u00e4nomen in einem europ\u00e4ischen Rahmen im Geiste der Solidarit\u00e4t gemeinsam anpacken, wird es uns gelingen, auch diese epochale Herausforderung f\u00fcr die Europ\u00e4ische Union zu meistern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eMan muss die nationalen Interessen \u00fcberwinden\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies gilt auch f\u00fcr die europ\u00e4ische Koordinierung bei Covid-19. Staatspr\u00e4sident Mattarella und Bundespr\u00e4sident Steinmeier haben bei ihrem gemeinsamen Treffen im letzten September in Mailand vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie, die unsere beiden L\u00e4nder auch in diesen Tagen vor gro\u00dfe Herausforderungen stellt, die gemeinsame europ\u00e4ische Solidarit\u00e4t bekr\u00e4ftigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Europas Integration in all diesen Bereichen voranzutreiben ist im Interesse von Italien und Deutschland. \u201eMan muss die nationalen Interessen \u00fcberwinden\u201c. Diese Worte Alcide de Gasperis haben auch Jahrzehnte sp\u00e4ter nichts von ihrer G\u00fcltigkeit verloren. In diesem Geiste stehen Italien und Deutschland vor dem Hintergrund ihrer gemeinsamen Geschichte in der Verantwortung, ein Europa voranzubringen, das einig, innovativ und solidarisch ist im Inneren und stark nach au\u00dfen, ein Europa, das die Freiheit sch\u00fctzt und seine Werte und Interessen in der Welt vertritt. Ein solches Europa wird mehr denn je gebraucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Autoren sind Deutschlands Botschafter in Rom beziehungsweise Italiens Botschafter in Berlin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der deutsche Botschafter Viktor Elbling und sein italienischer Kollege Luigi Mattiolo schreiben aus Anlass von 70 Jahren diplomatischer Beziehungen \u00fcber das enge Verh\u00e4ltnis von Deutschland und Italien. \u201eDie Einheit Europas war ein Traum von wenigen. Sie wurde die Hoffnung f\u00fcr viele. Sie ist heute Notwendigkeit f\u00fcr alle\u201c. 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