﻿{"id":4112,"date":"2020-06-29T10:14:57","date_gmt":"2020-06-29T08:14:57","guid":{"rendered":"https:\/\/ambberlino.esteri.it\/news\/dall_ambasciata\/2020\/06\/intervento-del-presidente-della-2\/"},"modified":"2020-06-29T10:14:57","modified_gmt":"2020-06-29T08:14:57","slug":"intervento-del-presidente-della-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ambberlino.esteri.it\/de\/news\/dall_ambasciata\/2020\/06\/intervento-del-presidente-della-2\/","title":{"rendered":"28.06.2020: Rede des Staatspr\u00e4sidenten Sergio Mattarella anl\u00e4sslich der Gedenkfeier f\u00fcr die Opfer von Covid-19 in Bergamo"},"content":{"rendered":"<p>Zwischen dem Innehalten an der Gedenktafel mit Ernesto Oliveros Gebet in Gedichtform und Donizettis Messa da Requiem ist der Raum f\u00fcr Worte notwendigerweise begrenzt und nur auf ein paar n\u00fcchterne \u00dcberlegungen ausgerichtet.<\/p>\n<p>Heute Abend stehen wir hier in Bergamo vor dem Italien, das gelitten hat, das verletzt wurde, das geweint hat; und das, obgleich es nun sein Leben vollst\u00e4ndig wieder aufnehmen will, dennoch wei\u00df, dass es das Geschehene nicht vergessen kann.<\/p>\n<p>Mit meiner Teilnahme m\u00f6chte ich die N\u00e4he der Republik zu den B\u00fcrgern dieser so hart getroffenen Gegend verdeutlichen.<\/p>\n<p>Bergamo steht heute f\u00fcr ganz Italien, als Herz der Republik, welche sich vor den Tausenden Frauen und M\u00e4nnern verneigt, die durch eine noch weitgehend unbekannte Krankheit get\u00f6tet wurden. Die Krankheit bedroht weiterhin die Welt, nachdem sie diese ganz pl\u00f6tzlich zum Stillstand oder zumindest zu einer Verlangsamung ihres Lebensrhythmus gezwungen hat.<\/p>\n<p>Heute haben wir uns hier versammelt, um zu erinnern. Um der vielen Menschen zu gedenken, die nicht mehr da sind, der Trauer, die so viele Familien getroffen hat und die in unseren Gemeinschaften eine Leere hinterl\u00e4sst, die nichts ausf\u00fcllen kann.<\/p>\n<p>Das Schicksal so vieler Menschen und ihrer Familien hat sich pl\u00f6tzlich ver\u00e4ndert. Leben und innige Beziehungen wurden auseinandergerissen, oft ohne eine letzte Umarmung, ohne einen letzten Abschied, ohne die Hand eines Familienmitglieds halten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir alle bewahren in unseren K\u00f6pfen Bilder, die wir nicht mehr vergessen k\u00f6nnen. Diese Chroniken eines Schmerzes haben das Bewusstsein und die Sensibilit\u00e4t des ganzen Landes ber\u00fchrt. Wer sie jedoch pers\u00f6nlich erlebt hat, tr\u00e4gt bleibende Narben davon.<\/p>\n<p>Diese von so viel intensiver Trauer gepr\u00e4gten Monate haben uns sicherlich ver\u00e4ndert. Sie haben unser Leben, unsere Beziehungen und unsere Gewohnheiten in weiten Teilen anders gepr\u00e4gt. Die Feststellung, dass unser Leben von nun an nicht mehr sein wird wie vorher, ist in keiner Weise banal.<\/p>\n<p>Es wird nicht sein wie vorher, denn geliebte Menschen, Freunde und Kollegen werden uns fehlen.<\/p>\n<p>Es wird nicht das gleiche sein wie zuvor, denn das kollektive Leid, das wir pl\u00f6tzlich erfahren haben, hat sicherlich im Leben eines jeden die Art und Weise beeinflusst, wie wir die Realit\u00e4t betrachten, die Priorit\u00e4ten, den Wert, den wir Dingen beimessen, die Bedeutung, sich f\u00fcreinander verantwortlich zu f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Erinnern bedeutet daher, zun\u00e4chst einmal unserer Toten zu gedenken; und es bedeutet auch, sich das Geschehene vollst\u00e4ndig bewusst zu machen, ohne der illusorischen Versuchung zu erliegen, diese dramatischen Monate auszuklammern, um einfach weiter zu machen wie vorher.<\/p>\n<p>Erinnern bedeutet, ernsthaft und ganz genau dar\u00fcber nachzudenken, was nicht funktioniert hat, \u00fcber Systemfehler, \u00fcber Fehler, die sich nicht wiederholen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Es bedeutet gleichzeitig, sich den Wert dessen ins Ged\u00e4chtnis zu rufen, was positiv war. Die au\u00dferordentliche Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit von \u00c4rzten, Pflegern, Gesundheitspersonal, Mitarbeitern der \u00f6ffentlichen Verwaltung, Frauen und M\u00e4nnern des Zivilschutzes, des Milit\u00e4rs, der Ordnungskr\u00e4fte und freiwilligen Helfer. Ihnen geb\u00fchrt unser Dank: heute und in der Zukunft.<\/p>\n<p>Hier \u2013 wie auch anderswo \u2013 lie\u00df sich der Wert und die Tiefe dieser Erfahrungen konkret ermessen.<\/p>\n<p>Wie die B\u00fcrgermeister &#8211; die, daran m\u00f6chte ich auch heute hier erinnern, in den schwierigsten Tagen mit gr\u00f6\u00dftem Einsatz gearbeitet haben &#8211; wissen, sind in allen Gemeinden zahlreiche Solidarit\u00e4tsnetzwerke gebildet und in Gang gesetzt worden.<\/p>\n<p>Eine stille, aber reale Mehrheit unseres Volkes hat gehandelt, ohne etwas daf\u00fcr zu verlangen; dank ihr konnte das Land die vielen Schwierigkeiten bew\u00e4ltigen und weiter leben.<\/p>\n<p>Pflichtbewusstsein und guter Wille jedes Einzelnen &#8211; diese Ressourcen bilden zusammen mit der von einer gro\u00dfen Mehrheit unserer Mitb\u00fcrger gezeigten Opferbereitschaft und Beachtung der Regeln ein wertvolles Gut f\u00fcr das Land, das nicht verschwendet werden darf.<\/p>\n<p>Erinnern wir uns an die moralische Kraft, die wir versp\u00fcrten, als wir, eingeschlossen in unseren H\u00e4usern, hin- und hergerissen zwischen Angst und Hoffnung, anfingen, uns zu fragen, wie unsere Zukunft aussehen w\u00fcrde. Die Zukunft unseres Italiens.<\/p>\n<p>Die Erinnerung b\u00fcrdet uns Verantwortung auf. K\u00fcmmern wir uns nicht um sie, laufen wir Gefahr, in Tr\u00e4gheit, Faulheit, und alten Lastern gefangen zu bleiben, die es zu \u00fcberwinden gilt.<\/p>\n<p>Was geschehen ist, m\u00fcssen wir nun jedoch \u00fcberwinden, indem wir nach vorne blicken. Mit dem Willen zur Ver\u00e4nderung und zum Wiederaufbau, den andere Generationen vor uns besa\u00dfen.<\/p>\n<p>Der Weg zum Neustart ist schmal und steil. Er muss mit Mut und Entschlossenheit zur\u00fcckgelegt werden. Mit Beharrlichkeit, mit Ausdauer, mit Opferbereitschaft.<\/p>\n<p>Das sind die St\u00e4rken dieser Region, die heute zu ganz Italien sprechen, um zu sagen, dass wir gemeinsam vertrauensvoll in unsere Zukunft blicken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bergamo, 28.06.2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zwischen dem Innehalten an der Gedenktafel mit Ernesto Oliveros Gebet in Gedichtform und Donizettis Messa da Requiem ist der Raum f\u00fcr Worte notwendigerweise begrenzt und nur auf ein paar n\u00fcchterne \u00dcberlegungen ausgerichtet. 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