﻿{"id":4486,"date":"2017-06-06T15:57:15","date_gmt":"2017-06-06T13:57:15","guid":{"rendered":"https:\/\/ambberlino.esteri.it\/news\/dall_ambasciata\/2017\/06\/rede-des-botschafters-pietro-benassi\/"},"modified":"2017-06-06T15:57:15","modified_gmt":"2017-06-06T13:57:15","slug":"rede-des-botschafters-pietro-benassi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ambberlino.esteri.it\/it\/news\/dall_ambasciata\/2017\/06\/rede-des-botschafters-pietro-benassi\/","title":{"rendered":"Rede des Botschafters Pietro Benassi zum  71. Geburtstag der Italienischen Republik  (Berlin, 1. Juni 2017)"},"content":{"rendered":"<p>Verehrte Staatsminister und Staatssekret\u00e4re, Exzellenzen,<br \/>Liebe Kollegen des diplomatischen Corps,<br \/>Sehr geehrte Mitglieder des Bundestages,<br \/>Liebe Landsleute,<br \/>Meine Damen und Herren,<\/p>\n<p>ich danke, auch im Namen meiner Frau Monica, den zahlreichen G\u00e4sten, die heute mit uns den Geburtstag der Italienischen Republik feiern.<\/p>\n<p>Dieses &#8211; f\u00fcr unser Land so wichtige Datum &#8211; wird nat\u00fcrlich in all unseren Diplomatischen Vertretungen in der Welt begangen. F\u00fcr mich ist es in Berlin bereits das dritte Mal. Diesen Tag hier zu feiern, gibt uns die M\u00f6glichkeit, teilzuhaben und in einen tieferen Austausch zu treten: an erster Stelle mit unseren Landsleuten und nat\u00fcrlich auch mit den Vertretern des Diplomatischen Corps sowie mit vielen Freunden, Kollegen und den deutschen Institutionen, mit denen wir t\u00e4glich zusammenarbeiten. Im Vordergrund steht hierbei die weitere St\u00e4rkung der bereits exzellenten Beziehungen zwischen Italien und Deutschland im gemeinsamen Haus der Europ\u00e4ischen Union.<\/p>\n<p>Das vergangene Jahr war von au\u00dferordentlich zahlreichen Herausforderungen gepr\u00e4gt. Einige waren sehr schmerzhaft. Ich denke zuallererst an den <strong>Terrorismus<\/strong>: viele europ\u00e4ische St\u00e4dte \u2013 Berlin inbegriffen \u2013 sind nicht von Unmenschlichkeit verschont geblieben. Noch ganz frisch ist unsere Trauer um die Trag\u00f6die von Manchester, eine unendliche Grausamkeit, der vor allem Kinder und Jugendliche ausgeliefert waren. Bei dem gemeinsamen und entschiedenen Vorgehen gegen diese h\u00f6chste Form der Menschenverachtung wird Italien immer an der Seite aller anderen Partnerl\u00e4nder und Einrichtungen stehen.<\/p>\n<p>Das laufende Jahr birgt weiterhin auch die epochale Aufgabe, f\u00fcr das <strong>Migrations<\/strong>ph\u00e4nomen eine L\u00f6sung zu finden. Ich vertrete ein Land hier in Deutschland, welches nicht nur st\u00e4rker als andere von diesem Ph\u00e4nomen betroffen ist, sondern auch wesentlich l\u00e4nger. Ganz besonders massiv hat sich der Fl\u00fcchtlingsstrom mit Beginn des Jahres 2011 entwickelt &#8211; zeitgleich mit dem sogenannten <em>Arabischen Fr\u00fchling<\/em>. Schon damals war uns bewusst, dass es sich um eine europ\u00e4ische Problematik handeln w\u00fcrde. Bis heute bem\u00fchen wir uns in den zust\u00e4ndigen Gremien, auf diese globale Herausforderung eine europ\u00e4ische Antwort zu finden. In dieser Hinsicht k\u00f6nnen wir den Aussagen von Au\u00dfenminister Gabriel anl\u00e4sslich des dritten Berliner <em>Roundtable on Refugees<\/em> nur zustimmen.<br \/>In der Zwischenzeit versuchen wir &#8211; nicht ohne Schwierigkeiten und kritische Momente &#8211; uns diesem Ph\u00e4nomen zu stellen. Wir k\u00f6nnen bei der Rettung von Menschenleben in Seenot \u2013 nicht ohne Stolz &#8211; beeindruckende Zahlen vorweisen. Kein geringerer als Pr\u00e4sident Juncker h\u00e4tte diese Tatsache und deren dramatisches Ausma\u00df besser in einem Satz zusammenfassen k\u00f6nnen: \u201e<strong><em>Italien hat die Ehre Europas gerettet<\/em><\/strong>\u201c.<br \/>Wir sind davon \u00fcberzeugt, dass die Europ\u00e4ische Union alle Voraussetzungen &#8211; aber auch eine historische Verantwortung \u2013 besitzt, um geschlossen eine strategische Antwort zu geben. Dies nicht nur, um sich ihre Ehre zu bewahren, sondern vor allem, weil es sich um eine strategische Fragestellung handelt.<\/p>\n<p>Das Ph\u00e4nomen der <strong>Globalisierung<\/strong> &#8211; mit dem wir uns schon seit einigen Jahren konfrontiert sehen &#8211; spornt uns t\u00e4glich zur Zusammenarbeit an. Ziel soll es sein, das darin liegende positive Potential besser zu nutzen und, wo n\u00f6tig, die unerw\u00fcnschten Folgen zu mildern oder beseitigen zu k\u00f6nnen. Die wichtigen Themen, die hierbei im Fokus der internationalen Debatte stehen, sind <strong>Handel, Klimaschutz<\/strong> sowie die<strong> innere und \u00e4u\u00dfere Sicherheit<\/strong> auf unserem Kontinent; <em>last but not least<\/em> alle Ma\u00dfnahmen, die ein solidarisches und nachhaltiges <strong>Wirtschaftswachstum<\/strong> im w\u00fcnschenswerten Kontext eines <em>sozialeren Europas<\/em> beg\u00fcnstigen. Zu den zahlreichen Erfolgen, welche Deutschland in den letzten Jahrzehnten zu verzeichnen hat, z\u00e4hlt die Umsetzung einer<em> sozialen Marktwirtschaft<\/em>. Sie ist eine Errungenschaft, die \u2013 gegebenenfalls mit Anpassungen &#8211; als Vorbild dienen sollte.<\/p>\n<p>Meine Damen und Herren, es steht nicht einfach nur die Aussicht auf mehr oder weniger Reichtum f\u00fcr den Kontinent auf dem Spiel. Vielmehr ist es im Wesentlichen die Sicherheit, den j\u00fcngeren und folgenden Generationen ein Erbe zu hinterlassen, das mit den tiefgreifenden anhaltenden Ver\u00e4nderungen kompatibel ist. Ich denke dabei an Frieden, wirtschaftliches Wachstum sowie die Wahrung der Rechte und Chancengleichheit.<\/p>\n<p>Die Diskussion \u00fcber den letzten G7 Gipfel in Taormina haben wir zur Kenntnis genommen, wohl wissend, dass wir unter dem Vorsitz Italiens alles getan haben, \u2013 auch mit der Unterst\u00fctzung von L\u00e4ndern wie Deutschland \u2013 um das bestm\u00f6gliche Gesamtergebnis zu erreichen. Mit Hinblick auf den n\u00e4chsten Gipfel in Hamburg hat die deutsche G20-Pr\u00e4sidentschaft die Aufgabe, weitere wichtige Zwischenergebnisse zu erreichen. Ihre Bem\u00fchungen werden wir aus \u00dcberzeugung tatkr\u00e4ftig unterst\u00fctzen. Die EU-L\u00e4nder, die Teil dieses Forums sind, m\u00fcssen sich unserer Meinung nach bewusst sein, dass es besonders wichtig ist, f\u00fcr eine gemeinsame Antwort auf die globalen Probleme einzutreten.<\/p>\n<p>In einer Zeit, die von globalen Fragestellungen bestimmt ist, muss sich unsere Europ\u00e4ische Union dringend r\u00fcsten, um in die Rolle des <em>Global Players<\/em> hineinwachsen zu k\u00f6nnen. Unter diesem Aspekt betrachtet, war das Jahr 2016 sicher kein einfaches Jahr. Mit einem gewissen Abstand k\u00f6nnte man auch sagen: ein <em>annus horribilis<\/em>. Und dies ist nicht nur rhetorisch gemeint, denn die EU stand auch aufgrund der unerwarteten Wahlergebnisse und der zunehmenden Erstarkung populistischer Kr\u00e4fte unter Druck. Denn die Programmatik jener Kr\u00e4fte tr\u00e4gt, unter dem Deckmantel der Wahrung nationaler Souver\u00e4nit\u00e4t, nicht immer, aber so manches Mal fremdenfeindliche Z\u00fcge.<\/p>\n<p>Die letzten Monate machen jedoch Hoffnung und haben viele L\u00e4nder &#8211; unabh\u00e4ngig von bevorstehenden Wahlterminen &#8211; veranlasst, ihren Weg in Richtung eines starken und geeinten Europas erneut aufzunehmen. Aus diesem Grund halten wir auch die <em>Erkl\u00e4rung von Rom<\/em> vom 25. M\u00e4rz f\u00fcr einen wichtigen Etappensieg. Man beschr\u00e4nkte sich nicht nur auf die W\u00fcrdigung der Vergangenheit mit den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Unterzeichnung der <em>R\u00f6mischen Vertr\u00e4ge<\/em>. Sondern man einigte sich bei dieser Gelegenheit auch auf Arbeitsfelder und Ma\u00dfnahmen, die das europ\u00e4ische Projekt wiederbeleben und nachhaltig st\u00e4rken sollen. Die Tatsache, dass alle 27 Teilnehmerl\u00e4nder die Erkl\u00e4rung unterschrieben haben, stimmt uns zuversichtlich.<\/p>\n<p>Die Aufgabe, ein st\u00e4rkeres, und f\u00fcr die gegenw\u00e4rtigen Aufgabenstellungen besser gewappnetes Europa zu schaffen, liegt trotzdem immer noch vor uns. Wenn auch nichts verloren ist, muss man dennoch sagen, dass bisher nur wenig erreicht worden ist. Die Signale der letzten Monate sind allerdings vielversprechend und wir vertrauen auf das positive Potential der bis zum Ende des Jahres noch vor uns liegenden wichtigen Gipfeltreffen.<br \/>Wie John Maynard Keynes einmal schrieb: <em><strong>\u201cDie Schwierigkeit besteht nicht so sehr darin, neue Ideen zu entwickeln, sondern den alten zu entkommen\u201c<\/strong><\/em>.<\/p>\n<p>Wir lesen sehr viele Analysen und Kommentare \u00fcber die unterschiedlichen Lager der F\u00fcrsprecher und Gegner des europ\u00e4ischen Projektes. Meiner Meinung nach, erleben wir aber vor allem eine schleichende Spaltung, die sich im Lager der europ\u00e4ischen Bef\u00fcrworter vollzieht. Eine Spaltung zwischen den \u00fcberzeugten und den eher zaghaften Europ\u00e4ern. Um das europ\u00e4ische Projekt vor seiner Aufl\u00f6sung zu bewahren, m\u00fcssen wir die sogenannten \u201azaghaften Europ\u00e4er\u2018 aus der passiven Haltung herausf\u00fchren. Der Ansto\u00df hierf\u00fcr kann nur aus der Zivilgesellschaft kommen. Mit gro\u00dfer Bewunderung und Hoffnung sehe ich daher auf die bedeutenden und erfolgreichen (Pro-Europa)Initiativen, wie zum Beispiel <em>Pulse of Europe<\/em>. Sie verzeichnen einen gro\u00dfen Zulauf junger Leute. Dies ist wiederum ein starker Garant f\u00fcr die Sicherung des europ\u00e4ischen Projektes.<br \/>Die <em>bottom-up<\/em> Initiative der Jungen muss nat\u00fcrlich von einer <em>top-down<\/em> Aktion der politisch Verantwortlichen in Europa flankiert werden. Wir haben bereits gen\u00fcgend Beweise auf dem Kontinent sammeln k\u00f6nnen, die zeigen, dass es, wenn man mutig \u2013 auch reformistisch &#8211; \u00fcber das europ\u00e4ische Projekt spricht, nicht unmittelbar dem n\u00e4chsten Wahlgang schaden muss.<\/p>\n<p>Aus gutem Grund komme ich nun am Ende zu den bilateralen Beziehungen zwischen Italien und Deutschland, denn sie wachsen und entfalten sich im Rahmen eines globalen Gesamtkonzeptes und insbesondere im Kontext der Europ\u00e4ischen Union.<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ischen Fragestellungen nehmen gro\u00dfen Einfluss auf unsere Beziehungen, gleichzeitig k\u00f6nnen wir mit zahlreichen bilateralen Beitr\u00e4gen den Diskurs in Europa vielf\u00e4ltig bereichern. Die politischen und statistischen Fakten best\u00e4tigen nur diese Tatsache, so dass ich hier auf eine lange, obgleich beeindruckende Aufz\u00e4hlung von Beispielen verzichten m\u00f6chte.<\/p>\n<p><em>Sowohl Politik, Wirtschaft, Kultur, \u00f6ffentliche Medien und die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit als auch die Emigration<\/em> &#8211; speziell die der Italiener und Italienerinnen nach Deutschland &#8211; haben im Laufe der Geschichte dazu beigetragen, dass wir gemeinsam gewachsen sind. Mit vereinter Kraft haben wir das in einem gemeinsamen Projekt geschafft. Das europ\u00e4ische Projekt ist die gr\u00f6\u00dfte Errungenschaft unserer Vergangenheit. Sie ist der Schl\u00fcssel f\u00fcr unsere Zukunft.<\/p>\n<p>In diesem Bewusstsein arbeite ich tagt\u00e4glich mit meinem Team in diesem Land. Ich m\u00f6chte daher gerne diesen Rahmen zum Anlass nehmen, um mich bei ihm zu bedanken.<\/p>\n<p><strong>Mein Dank gilt jedoch auch meinen deutschen Ansprechpartner: manchmal diskutiert man \u00fcber die Mittel und Wege. Aber ich erinnere mich nicht, dass ich ein einziges Mal \u00fcber die Ziele h\u00e4tte streiten m\u00fcssen.<\/strong><\/p>\n<p>Meine sehr verehrten G\u00e4ste, ich freue mich, dass Sie unserer Einladung gefolgt und heute Abend so zahlreich erschienen sind.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche Ihnen und uns einen wunderbaren Abend.<\/p>\n<p>Vielen Dank<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Verehrte Staatsminister und Staatssekret\u00e4re, Exzellenzen,Liebe Kollegen des diplomatischen Corps,Sehr geehrte Mitglieder des Bundestages,Liebe Landsleute,Meine Damen und Herren, ich danke, auch im Namen meiner Frau Monica, den zahlreichen G\u00e4sten, die heute mit uns den Geburtstag der Italienischen Republik feiern. 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