In der Botschaft wurde der 70. Jahrestag der am 20. Dezember 1955 unterzeichneten Vereinbarung über die Anwerbung und Vermittlung von italienischen Arbeitskräften in die Bundesrepublik Deutschland gefeiert.
Die Veranstaltung erinnerte an die historische, gesellschaftliche und europäische Bedeutung dieses Abkommens und würdigte die Gastarbeiter sowie die nach Deutschland ausgewanderte italienische Gemeinschaft.
Wie die Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Natalie Pawlik, in ihrer Eröffnungsrede betonte, war der Beitrag der italienischen Arbeiterinnen und Arbeiter zum Wiederaufbau Deutschlands nach dem Krieg von entscheidender Bedeutung: „Diese mutigen Italienerinnen und Italiener verdienen unsere Dankbarkeit”, erklärte sie.
Botschafter Fabrizio Bucci erinnerte an die Rede von Staatspräsident Sergio Mattarella in Berlin und betonte, dass das Abkommen ein Vorläufer der Europäischen Union war: „Während mit den Römischen Verträgen von 1957 die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft vorbereitet wurde, begannen unsere Landsleute mit ihrer Arbeit und ihrer Opferbereitschaft ganz konkret mit dem Aufbau Europas. Dank ihnen haben wir heute die Europäische Union, wie wir sie kennen. Zwar ist sie nicht perfekt, aber die Europäische Union stellt dennoch ein weltweit einzigartiges politisches, wirtschaftliches, gesellschaftliches und kulturelles Aufbauwerk dar.“ Botschafter Bucci schloss mit den Worten: „Auch wenn sie nicht in Kraft getreten ist, behält die Charta der Grundrechte der Europäischen Union dennoch ihre ganze Kraft und Aktualität, wenn sie die Europäische Union als „bevorzugten Horizont menschlicher Hoffnung“ bezeichnet. Denn sie fördert den Frieden und die bürgerlichen, sozialen und wirtschaftlichen Rechte europäischer Bürger. Denn sie stellt eine gemeinsame Zukunft auf der Grundlage gemeinsamer Prinzipien und Werte sicher. Darin besteht die wahre und echte Stärke der Europäischen Union.“
Der Botschafter betonte außerdem, dass die Rolle der Italiener in Deutschland bis heute von grundlegender Bedeutung ist: „Der Begriff Gastarbeiter ist heute überholt. Die Italiener in Deutschland sind keine Gäste mehr, sondern ein aktiver und umfassend integrierter Bestandteil der Gesellschaft dieses Landes. Über 900.000 Italiener leben hier, davon ein Drittel mit doppelter Staatsangehörigkeit, 5000 Forscher und Wissenschaftler, mehr als 2000 Unternehmen. Eine tief verwurzelte, produktive und konstruktive Präsenz.“
Während der Veranstaltung wurde eine Ausstellung mit Dokumenten aus der Sammlung der Bundesagentur für Arbeit zur Entwicklung der Beschäftigungspolitik in Deutschland eröffnet, welche die ständigen Bemühungen um die Integration der italienischen Gemeinschaft in die deutsche Gesellschaft belegte.
Anschließend folgten ein Konzert der Sängerin Etta Scollo und die Vorführung des Dokumentarfilms „Un sogno italiano (Ein italienischer Traum)” des Regisseurs Fausto Caviglia, produziert von Orisa Produzioni von Cristiano Bortone und Latteplus Berlin Filmproduction. Der Film zeigte anhand von persönlichen Geschichten und Fallbeispielen die Entwicklung der italienischen kulturellen Präsenz in Deutschland.
Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit dem Büro der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration organisiert.
Photos: © Ege Kavaz