Anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Todesmarsches vom 7. April 1945 reiste Botschafter Fabrizio Bucci nach Wolfsburg, um an eines der dunkelsten Kapitel der europäischen Geschichte zu erinnern.
Die Gedenkfeier war ein bedeutender Moment des gemeinsamen Innehaltens. Im Rahmen des ersten Programmteils mit dem Titel „Europäisches Gedenken und internationale Perspektiven“ ergriffen neben dem Botschafter auch der Oberbürgermeister der Stadt Wolfsburg Dennis Weilmann sowie Jean-Michel Gaussot von der Amicale Internationale KZ Neuengamme das Wort. Jean-Michel Gaussot ist der Sohn eines im Konzentrationslager Neuengamme verstorbenen Mitglieds der französischen Résistance. Ebenfalls eine Rede hielten der stellvertretende Missionschef der polnischen Botschaft in Berlin, Jakub Jan Wawrzyniak, und der Botschaftsrat der französischen Botschaft in Berlin, Julien Acquatella.
An der Veranstaltung nahmen zudem Vertreter der Zivilgesellschaft und der Institutionen teil. Zum Thema „Lokale Verantwortung und Erinnerungsarbeit“ sprachen Anita Placenti vom Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation, Arne Meiswinkel, Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG, Daniela Cavallo, Vorsitzende des Betriebsrats der Volkswagen AG, sowie Uwe Paulsen, Vorsitzender des Freundeskreises Gedenk- und Lernort KZ-Außenlager Laagberg e.V.
In seiner Rede betonte der Botschafter, dass uns das Gedenken an all die Orte des Leids dazu aufruft, Hüter der Menschenwürde zu sein. Er fügte hinzu: „Es ist an unseren Völkern, vereint im Leid der Verantwortung für den letzten Weltkrieg, die Anstrengungen für den Aufbau einer Zukunft des Friedens und des Fortschritts zu verstärken. Dies gilt insbesondere in einem Kontext, in dem interne und internationale Krisen, weit verbreitete Instabilität und Kriegsgefahren das europäische Haus erschüttern.“ In Anlehnung an Konrad Adenauer, Alcide De Gasperi und Robert Schuman sagte der Botschafter: „Wenn alle glauben, eine neue, auf Gewalt basierende Weltordnung sei die einzig mögliche, ist es an der Zeit, das europäische Modell mit Nachdruck zu bekräftigen.“
Die Veranstaltung hat historische Erinnerung mit aktuellem Engagement vereint und so den internationalen Dialog über Verantwortung, Bewusstsein und Frieden gestärkt.
Das Konzentrationslager Fallersleben-Laagberg war ein Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme. Zwischen 1944 und 1945 waren dort 765 Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern inhaftiert, die auch für Volkswagen zur Zwangsarbeit eingesetzt wurden. Am 7. April 1945 wurde das Lager evakuiert. Die Häftlinge wurden zu einem Todesmarsch nach Wöbbelin gezwungen, den die meisten von ihnen nicht überlebten. Nach der Wiederentdeckung der Überreste im Jahr 2017 entsteht derzeit eine Gedenkstätte.
Photos: © Lars Landmann