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04.11.2021: Rede des Botschafters Varricchio zum Tag der Nationalen Einheit und der italienischen Streitkräfte

Liebe Gäste, cari ospiti,

Mit großer Freude öffnen wir heute, anlässlich des Tages der Nationalen Einheit und der Italienischen Streitkräfte, wieder die Türen unserer Botschaft – wenn auch noch in sehr kleinem Format.
Nachdem in den letzten Wochen der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in diesem Saal empfangen wurden, erhalten die heutigen Feierlichkeiten einen verstärkten symbolischen Wert.
Wir dürfen aller¦dings nicht vergessen:
diese gesund¦heitliche Not¦lage, die uns in den letz¦ten Jahren so stark begrenzt und großes Leid verursacht hat, ist noch nicht vollständig überwunden.
Ich möchte bei dieser Gelegenheit an den be¦deutenden Germanisten, Professor Luigi Reitani, erinnern.
Er war von zweitausend¦fünf¦zehn bis zweitausend¦neun¦zehn Leiter unseres Kultur¦instituts und ist vor wenigen Tagen viel zu früh verstorben. Ihm möchte ich nun eine Schweige¦minute widmen.

„Größe hat keine Zeit und keinen Namen“
“La grandezza non ha un tempo e non ha un nome”
Dies ist das Leitmotiv des 4. Novembers, des Tages der Nationalen Einheit und der italienischen Streitkräfte.

In diesem Jahr feiern wir den hundertsten Jahrestag des Unbekannten Soldaten, des namenlosen Soldaten, der eines der wichtigsten Symbole des Begriffs der nationalen Identität darstellt. Dieses Symbol entstand nach den tragischen Ereignissen des Ersten Weltkriegs, der für Italien den letzten Schritt im nationalen Einigungsprozess bedeutete.

In den letzten Tagen hat ein „Zug der Erinnerung“ die Reiseetappen des Leichnams im Jahr 1921 von Aquileia nach Rom nachgezeichnet.
Die Feierlichkeiten enden heute mit einem Festakt in Anwesenheit des italienischen Staatspräsidenten am Altare della Patria, wo vor genau 100 Jahren, am 4. November 1921, die Beisetzung stattfand.
Der Unbekannte Soldat steht für die Geschichte von Generationen im Dienste des Landes, eine Geschichte des Engagements und der Aufopferung zur Verteidigung der Werte, die uns noch heute zusammenschweißen und deren Protagonisten die Streitkräfte sind.

Die Nachrichten der letzten Monate erinnern uns daran, wie wichtig die Rolle der Streitkräfte an vielen unterschiedlichen Fronten ist:
von den rein sicherheitsrelevanten Aufgaben – ich denke dabei an die Evakuierung aus Afghanistan – bis hin zur Unterstützung der zivilen Behörden bei der Bewältigung der Pandemie sowie bei Notfällen im Zusammenhang mit Wetterereignissen.

In allgemeinerer Hinsicht tragen die Frauen und Männer in Uniform mit ihrem Engagement zur Verteidigung der in unserer Verfassung verankerten Grundsätze und der europäischen Werte bei, die unserem Kontinent durch den Gründungsprozess der Europäischen Union Frieden gebracht haben.

Es liegt auf der Hand, dass in einer zunehmend komplexen, voneinander abhängigen und wettbewerbsorientierten Welt die Zusammenarbeit mit den Verbündeten von zentraler Bedeutung ist.
In diesem Sinne ist die Partnerschaft zwischen Italien und Deutschland für uns unverzichtbar.
In den verschiedenen Krisengebieten arbeiten Italien und Deutschland Seite an Seite und teilen gemeinsame Werte und Ziele, die sich zunehmend in einem gemeinsamen europäischen Verteidigungskonzept niederschlagen sollten.
Vor dem Hintergrund eines wachsenden Konkurrenzkampfs zwischen den Mächten ist die Europäische Union aufgerufen, ihre Präsenz auf internationaler Bühne und ihre Rolle als Sicherheitsfaktor erneut zu bekräftigen.

Europa muss danach streben, ein wichtiger Akteur zu werden. Dafür muss es seine Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit stärken. Das kann aber nur gelingen, wenn die großen Gründerländer wie Italien und Deutschland auf dieses gemeinsame Ziel hinarbeiten.
Diese politische Aufgabe muss mit einer engeren Zusammenarbeit in der Industrie einhergehen. Ich hoffe, dass diese Zusammenarbeit in den kommenden Monaten – über die bereits gefestigten Kooperationsbereiche hinaus – durch Initiativen, an denen die Unternehmen beider Länder beteiligt sind, weiter intensiviert werden kann.
Dies ist eindeutig eine Aufgabe mit großem Potenzial und ebenso großer Verantwortung. Dies kann nur in enger Zusammenarbeit und Komplementarität mit der NATO und unter umfassender Berücksichtigung unserer starken transatlantischen Beziehungen geschehen.

Die NATO und die EU, die im globalen geostrategischen Wettstreit auf der gleichen Seite stehen, müssen bei den aktuellen Herausforderungen wie Resilienz, Wahrung der technologischen Überlegenheit und sicherheitsrelevante Auswirkungen des Klimawandels eng zusammenarbeiten.
Italien und Deutschland können und wollen gemeinsam einen starken Impuls für diese Überlegungen liefern.
In diesem Sinne möchte ich mich bei allen Gästen für ihre Anwesenheit bedanken und wünsche ihnen noch einen angenehmen Abend.

Es leben die Streitkräfte, es lebe die Italienische Republik, es lebe Europa!